Mittwoch, 20. Juni 2012

Ein Gedicht

Oma ist aus dem Eilenriedestift

Oma ist vollkommen aus dem Eilenriedestift, Mami und Papi haben alle Verwandten, Freunde und Bekannten angerufen: "Klein-Stefan hat sein erstes Gedicht geschrieben." Das beginnt so: "Ach, das Leben kann so schön sein. Wenn die deutsche Elf bei der Europameisterschaft gewinnt. Wenn nach Tagen der Kälte und des ständigen Nieselns und Regnens die Sonne durchbricht. Wenn ein Abendtermin ausfällt und Freunde anrufen, um spontan zum Grillen einzuladen. Und erst recht dann (denn ich bin ja nicht nur Genussmensch, sondern homo politicus), wenn die schwarz-gelbe Mehrheit in Bund und Land wirklich alles dafür tut, um bald zur Minderheit zu werden."

Doch in die Freude mischen sich auch kritische Stimmen. Darf Klein-Stefan so spät abends noch Fußball gucken? Was heißt "ein Abendtermin" fällt aus? Wo treibt sich der Kleine denn sonst noch so herum? Oma will keinen homo politicus als Enkel. Wenn die Zeit gekommen ist - und das ist für Oma nach der Trauung in der Kirche - soll sich Klein-Stefan für ein Mädel interessieren und mit ihr viele kleine Dichter zeugen.

Dann fiel Oma in Ohnmacht. Im Radio hatte sie gehört, dass sich Klein-Stefan im niedersächsischen Landtag daneben benommen haben soll. Eklat nannten die das. Der Innenminister, der für Vietnamesen das Prinzip, ich schicke euch für ein paar Tage nach Hause und hole euch dann wieder nach Niedersachsen, einführte, verließ deswegen den Plenarsaal, wie Oma das Restaurant des Eilenriedestiftes, wenn es Kohl mit Pinkel gibt.

Vor wenigen Minuten  ist Oma wieder aufgewacht. Eine Krankenschwester erklärte ihr, dass Klein-Stefan nur ein Zitat vorgetragen habe. Aber welches? Ach, das Leben ist so schön? Freunde rufen an, um spontan zum Grillen einzuladen? Nach Tagen der Kälte und des Nieselns und Regnens?

Nun quält Oma die Frage: Warum verlässt der Innenminister von Niedersachsen deswegen den Plenarsaal?

1 Kommentar:

  1. wenn du wirklich kandidierst, machen wir ein stadtweites happening daraus :-)

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